Wie erwartet, holte Isabell Werth mit ihrer Olympia-Partnerin Wendy de Fontaine heute ihren 19. Meistertitel im Grand Prix Spécial von Balve. Schon vor ihrem Ritt als letzte Starterin hatte Werth den Titel in der Tasche, denn sie lag mit ihrem up-and-coming Star Viva Gold OLD eh‘ schon an der Spitze.
Mit 81,51% und somit der einzigen Runde, die die 80%-Marke knacken konnte, siegten Werth und Wendy – trotz eines fetten Patzers in den Zweierwechseln und den üblichen Schwächen der Stute im versammelten Schritt. Isabell Werth war mit der Runde jedoch sehr zufrieden: „Wendy war heute in der Arena ziemlich heiß, wir haben uns aber in der Prüfung dann zusammengefunden. Was für mich im Moment einfach schön ist zu sehen ist, dass ich bei Wendy mit mehr Gelassenheit und weniger Kontrolle viel weiterkomme.“ Was das schöne Bild jedoch ein wenig trübte war die Tatsache, dass Wendy einen Großteil der Prüfung mit offenem Maul lief – schade. Den Richterinnen und Richtern am Viereck war dies jedenfalls nicht allzu wichtig.
Den zweiten Platz im Spécial holte Werth mit dem 10 Jahre jungen Viva Gold OLD – dieser Ritt wurde aber nicht in die Meisterwertung aufgenommen, da pro Reiter jeweils nur ein Pferd berücksichtigt werden kann.
Die Runde mit Viva Gold zeigte eindrucksvoll, wie sehr sich der junge Hengst seit seinem Louisdor-Sieg in Frankfurt im letzten Dezember entwickelt hat. Über sein Potential kann man getrost sagen: The sky is the limit. Allerdings war Viva Gold heute – wie ja auch schon im Grand Prix – ziemlich ‚an‘ und Isabell Werth musste ihn mit recht deutlichen Hilfen durch die Prüfung pilotieren. Auch hier misslangen übrigens die Zweierwechsel. Viva Gold hat ein spektakuläres Talent für Passagen und Piaffen, aber es mangelt natürlich noch ein wenig an Balance und auch der Rhythmus ging in den Piaffen hin und wieder verloren, sodass Isabell Werth diese deutlich im Vorwärts anlegte, was die Richter gleichwohl bis zur 8,5 und einmal bis zur 9 bewerteten. Am Ende standen 77,823% für diese Kombination fest und Isabell Werth wird mit Viva Gold morgen auch die Kür reiten.

Auf den dritten Rang im Spécial und den Silberrang in der Meisterwertung kam Frederic Wandres mit dem schon 16-jährigen Bluetooth OLD. Auch diese so ungeheuer routinierte Kombination, die ja üblicherweise sicher wie ein Metronom abliefert, kam nicht fehlerfrei durch die Prüfung. Es gab einen kleinen Haken beim Übergang aus der zweiten Piaffe und auch bei ihnen schlug der Wechselfluch zu, allerdings in den Einerwechseln – 77,686%.
Mit 76,431% kamen die Shooting Stars der Saison – Charlott-Maria Schürmann und ihre wunderbare 11-jährige Dante’s Pearl, eine 11-jährige Stute von Dante Weltino x San Amour – auf den Bronzerang. Die Galopptour war wunderschön; leider kostete der Schritt – der sichtlich unter der Atmosphäre in Balve litt – deutlich Punkte. Leider hatte auch Dante’s Pearl hin und wieder ein offenes Maul. Die als Vierjährige über die legendäre PSI-Auktion verkaufte Stute und Charlott-Maria Schürmann sind ein perfektes Match und man muss kein Hellseher sein, um nicht zu vermuten, dass sich Charlott-Maria Schürmann heute sicherlich für die engere Wahl für einen Platz im WM-Team empfohlen hat.

Auf den weiteren Rängen landeten Semmie Rothenberger mit ihrem Power-Pack Farrington (Rang 5 – 74,569%), gefolgt von Raphael Netz, der mit Great Escape Camelot auf den 6. Platz (74,235%) und mit Dieudonnè auf den siebten Rang kam (73,706%).

Local Hero Tobias Nabben hinterließ mit Forster, einem 11-jährigen Hannoveraner Wallach von Finest, einen tollen Eindruck und kam mit 73,686% auf einen tollen 8. Platz. Auch Young Gun Moritz Treffinger zeigte mit seinem schon 17-jährigen Fiderdance ebenfalls eine wirklich schöne Runde (72,51%).
Fotos: bmp – J. Stils






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