Es gibt Turniere, die sind einfach nur schön – für die Reiter (und es darf angenommen werden, auch für die Pferde) ebenso wie für die Besucher. Horses & Dreams auf dem Hof Kasselmann in Hagen ist ein solches Turnier. Ein großes Turnier – inklusive 4-Sterne-Dressurtour, Qualifikationen für Nürnberger Burgpokal und Louisdor-Preis (davon später mehr), Springsport bis 3-Sterne CSI, aber auch Dressur- und Springtouren für aufstrebende Erfolgsreiter. Und auch ein Turnier zum Wohlfühlen. Ohne Firlefanz, ohne eingekaufte Reality TV-Sternchen, die keine Ahnung von Pferden haben, ohne arrogantes Heititei. Das, was die Familie Kasselmann nunmehr zum 20. Mal auf dem Borgberg auf die Beine stellt, ist eine großartige Veranstaltung von Pferdeleuten für Pferdeleute.
Dieses Turnier hatte sich übrigens in der Dressur die aktuelle Nummer 1 der Weltrangliste, Cathrine Laudrup-Dufour, mit ihrem Top-Pferd Mount St. John Freestyle für den Start in die grüne Saison ausgewählt, gleichwohl war es aber ein wenig schade, dass das Dressur-Starterfeld unter dem eine Woche zuvor in Fontainebleau abgehaltenen Nationenpreis litt. Und eigentlich hatte auch Dressurqueen Isabell Werth, in der Vergangenheit Dauergast in Hagen a.T.W., Starts in der 4-Sterne-Tour und den Louisdor- und Burgpokal-Prüfungen genannt, war aber in keiner Prüfung im Starterfeld. Werth-Bereiter Niklaas Feilzer, der mit Valdiviani bereits auf der Starterliste für die Louisdor-Quali stand, musste gar zurückziehen. Grund? Unbekannt. Dass es aber auch ganz friedliche Koexistenz auf Top-Dressurniveau geben kann, bewies beispielsweise das Haus Helgstrand – sicherlich der größte Mitbewerber des Hofs Kasselmann, wenn es um die besten Dressurpferde der Welt geht. Denn Alexander und Marianne Yde Helgstrand starteten beide – nicht unerfolgreich – bei Kasselmann.
Doch zurück zu den Prüfungen – und den Starterinnen und Startern aus insgesamt 37 (!) Ländern. Es wird wohl schwer, viele weitere Turniere in Deutschland zu finden, die eine solche Internationalität aufweisen können.
Das 4-Sterne CDI war unterteilt in eine Kür- und eine Spécial-Tour. In der Kür-Tour zauberte Katharina Hemmer mit Denoix einen superschönen Grand Prix ins Viereck, bei dem insbesondere die Trab-Traversale nach rechts ein Highlight war. Mit 77,261% holte sich Katha Hemmer den Sieg vor dem Dänen Daniel Bachmann Andersen mit dem 12-jährigen Fiderbach-Sohn Flash Gordon (73,456%) und der Britin Sadie Smith mit der 11-jährigen Dante Weltino-Tochter Swanmore Dantina (71,630%). In der Kür konnte Bachmann-Andersen dann den Spieß umdrehen und sich mit 79,615% den Sieg vor Katha Hemmer holen (77,710%) – bei Denoix hatten sich einmal mehr einige Fehlerchen in die Kür eingeschlichen. Es bleibt zu hoffen, dass Katha Hemmer den Flegel-Auftritt von Denoix in der EM-Kür in Crozet bald mental hinter sich lassen kann. Dass sie reitern kann, hat die EM-Bronzemedaillengewinnerin der Herzen (sie war ja in Crozet haarscharf am Spécial-Podium vorbeigeschrammt) ja schließlich oft genug bewiesen. Hier kam Ingrid Klimke mit First Class, für die es im Grand Prix nicht ganz rund gelaufen war (Platz 8) mit 76,95% auf den Bronze-Platz.
Der Sieg in der Spécial-Tour war nach einem Blick auf die Starterliste absolut vorhersehbar. Denn die Nummer 1 der Weltrangliste trat mit ihrem Top-Pferd an – da hätte sich schon Mount St. John Freestyle bei X zu einem Nickerchen hinlegen müssen, um nicht zu gewinnen. Doch das tat die jetzt 17-jährige Stute (von Fidermark x Donnerhall) nicht, sondern ließ sich fehlerfrei von ihrer Reiterin durch die Prüfungen pilotieren. 82,391% im Grand Prix und 83,085% und damit ein personal best im Spécial – Cathrine Laudrup-Dufour (Foto oben) konnte mit ihren Runden durchaus zufrieden sein. Die Stute war ‚amazing‘, sagte Cathrine nach dem Spécial, und man konnte der Reiterin nur zustimmen.
In beiden Prüfungen kam Ingrid Klimke mit Vayron auf den zweiten Rang. Der 15 Jahre alte Hengst von Vitalis, das ungeheure Bewegungstalent, der bis Oktober 2024 von Daniel Bachmann Andersen vorgestellt wurde, war seit den – nur bedingt gelungenen – Europameisterschaften von Crozet im August letzten Jahres bis zum Februar 2026 nicht mehr öffentlich gezeigt worden. In Lier gab es dann einen zweiten Rang im Grand Prix, aber nur Rang sieben im Spécial. Auf dem Borgberg schienen die Beiden aber wirklich zusammengefunden zu haben.
Unter aufmerksamer Beobachtung von Bundestrainerin Monica Theodorescu zeigte sich Vayron zwar durchaus ‚an‘, blieb aber bei seiner Reiterin und abgesehen von einem Hüpfer aus der zweiten Piaffe des Spécial war es eine wirklich schöne Runde. Und Ingrid Klimke? Die meinte nach ihrem Ritt ‚Ich bin einfach nur glücklich.‘ Ob es für den Team-Platz bei der WM in Aachen reichen wird, wird die weitere Entwicklung zeigen – für Ingrid Klimke und Vayron geht der Weg über Hamburg und Balve wieder zum Nationenpreis nach Hagen Anfang Juli.
Im Spécial konnte sich die Schwedin Maria von Essen mit Invoice (14-jähriger Wallach v. Jazz x Olympic Ferro) über den dritten Platz freuen (73,979%).







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